Individuell & Kollektiv

Als Menschen wollen wir einerseits individuell und besonders sein, andererseits passen wir uns gerne an. Wir erzählen von »meiner Geschichte« und von »meinem Trauma« und wir vergessen oft, wie ähnlich sich unsere Lebensgeschichten sind, selbst wenn sie oberflächlich unterschiedlich erscheinen.

Menschen in Deutschland, in Europa und fast in der ganzen Welt, wachsen unter ähnlichen Umständen und in einer bestimmten Art von Zivilisation und Kultur auf. Wir leben in einem global kapitalistischen System, welches seinen Bürger*innen von klein auf an prägt. Unsere Eltern und unsere Großeltern sind in diesem System aufgewachsen, genauso wie auch deren Eltern und Großeltern. Das kapitalistische System erscheint uns völlig »normal« und wir geben es immer weiter an die nächste Generation.

Wenn wir uns dieses System und den Zustand unserer Welt jedoch ein bisschen genauer anschauen, dann wird schnell klar, dass es alles andere als »kultiviert« ist, wie wir als Menschen leben.

Menschen haben vor circa 10.000 Jahren angefangen, sesshaftere Lebensweisen zu erproben. Über die Zeit haben sie komplexe Zivilisationen erschaffen und vielfältige Innovationen hervorgebracht, auf deren Fundamente unsere heutigen Gesellschaften errichtet sind. In dieser Zeit des Alt- und Mittelholozäns (Holozän = Nacheiszeit bis Heute) lebten die unterschiedlichen menschlichen Gemeinschaften weitgehend friedlich neben- und miteinander und in Balance mit der natürlichen Welt.

Unsere heutige Kultur übernimmt die Herrschaft

Vor circa 4000 Jahren und im Zusammenhang mit drastischen und sich wiederholenden Klimaänderungen, überfielen und »eroberten« kriegerische Stämme aus Zentralasien und Arabien, in zeitlichen Schüben alle bis dato meistens friedlich lebenden Gemeinschaften der Welt.

Traumatisch geprägt durch Gewalt und Kriege, durch Hungersnöte und Völkerwanderungen, fingen Menschen an, die Erde immer mehr als Objekt und als als ihr Eigentum zu betrachteten, welches »beherrscht« und »gezähmt« werden muss.

Auf Hungersnöte wurde reagiert, indem die Produktion von Nahrungsmitteln gesteigert wurde, was wiederum eine Explosion der Bevölkerung nach sich zog. Daraufhin wurde die Produktion erneut hochgeschraubt und so weiter bis heute. 1800 lebten auf der Erde 1 Milliarde, heute sind es bereits circa 7,90 Milliarden Menschen. Und nach wie vor gibt es Hungersnöte, die sich nachweislich NICHT durch eine immer noch höhere Produktion regulieren lassen.

Je mehr Menschen die Erde bevölkerten, desto mehr mussten andere Lebewesen weichen – entweder weil Menschen ihre Reviere und Ressourcen brauchten oder weil sie zu wild und zu gefährlich schienen. Das Artensterben auf der Erde ist unvorstellbar schnell und groß und wir befinden uns mitten in einem Klimawandel, der im Gegensatz zu früheren Klimaänderungen eindeutig menschengemacht ist.

Die Erde stirbt, weil Menschen eher alles Lebendige töten, als zu akzeptieren, dass das »Gesetz«, welches besagt, dass zum Leben auch das Sterben gehört, auch für Menschen gilt

Streetart, Berlin-Mitte, 2016

Unsere Welt hat in den letzten 4000 Jahren so viele Traumata erlebt, und jedes individuelle Wesen ist Teil dieses kollektiven Albtraums. Da wir körperlich, emotionale, geistige und astrale Wesen sind, haben wir die gewalttätige Vergangenheit unserer Artgenossen in unseren Körperzellen, in unseren Emotionen, in unserem Geist und in unserer Seele gespeichert.

Wir sind die Erb*innen unserer Ahn*innen und wir tragen alle individuelles und auch kollektives Trauma in uns. Deshalb heilen wir auch immer das Kollektiv und die ganze Welt, wenn wir unsere persönlichen Traumata verarbeiten und heilen. Und wenn wir »heil« sind, dann sind wir NICHT mehr ausschließlich mit uns selbst beschäftigt, sondern wir können uns wieder als ein Teil der Welt und des Lebens empfinden.

Dann haben wir weniger Angst, »anders« zu sein und nicht dazuzugehören. Wir »wissen« dann, dass wir immer dazugehören und immer Teil des großen Ganzen sind. Dann wissen wir, dass wir immer geliebt sind, so wie wir sind.

»Ganz« kennen wir uns selbst und wir können endlich wirklich individuell sein und unsere persönlichen Stärken und Schwächen in unsere Familie, unsere Arbeit, in unsere Gesellschaft und in die Welt einbringen.

Wir sind immer individuell und immer verbunden. Und wir verändern die Welt, indem wir aufhören individuell und kollektiv zu leiden, und stattdessen anfangen glücklich zu sein. Mutter Erde dürstet nach unserer Lebensfreude. Inmitten des ganzen Chaos, in dem sich die Welt befindet, ihr und uns Freude zu schenken – das wäre die nächste (R)evolution.

Mögen alle Wesen glücklich sein.